Compostela besitzt ein aussergewöhnliches Vorrecht, das erst gegen 1122 verliehen wurde. Die älteste belegte Konzessionsbulle ist die Regis aeterni vom Papst Alexander III, die auf das Jahr 1179 zurückgeht. Hier wird das obengenannte Vorrecht erwähnt, das der Papst Calixtus II (1118-1124) - Bruder von Don Raimund von Burgund und somit Onkel des Königs Alfons II -, der ein grosser Wohltäter der Kirche war, der Kathedrale von Santiago verliehen hatte. Dieses Privileg wurde später vom Papst Alexander III bestätigt. Es handelt sich hierbei darum, dass das Heilige Jahr gefeiert wird, wenn der 25. Juli, der Festtag des Martyriums des Apostels Jakobs, auf einen Sonntag fällt. In diesem Zeitraum können die Gnaden des Jubileums in der Kirche von Santiago erlangt werden.

Heiliges Jahr = Bekehrungsjahr

Als Jesus sein Werk begann, sagte Er: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15) 

Das Heilige Jahr oder Jubiläumsjahr ist ein Zeitraum, in dem die Kirche dem Gläubigem besondere geistige Gnaden gewährt. Sie stellt sich damit in der Tradition der Jubeljahre der Israeliten, von denen die Bibel berichtet: alle sieben Jahre gab es ein Sabbatjahr, in dem man das Land zurückerwarb, das aus Not veräussert worden war. Die Sklaven erhielten die Freiheit. Alle 50 Jahre war Jubeljahr (Lv 25).

Jesus sagt, dass er kommen werde, um "ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen". Die Kirche gewährt mit dem  Heiligen Jahr ebenfalls ein aussergewöhnliches Gnadenjahr: Das Heilige Jahr bedeutet eine Gnadenverleihung für alle. Es stellt besonders eine Einladung für diejenigen dar, die sich in ihrem Glauben von der Kirche entfernt haben. Sie sind aufgefordert, wieder zum christlichen Leben zurückzufinden. "Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken" (Mt 9,12), "um zum Hirten unserer Seelen zurückzukehren, wenn wir uns auf Irrwegen befunden haben" (Pt 2,35).

Bedingungen zum Gewinnen des Jubileums.

1)    Besuch der Kathedrale, in der das Grab des Apostels Jakobus des Älteren aufbewahrt wird.

2)      Beten (eines Vaterunsers, des Glaubensbekenntnisses für die Absichten des Heiligen Vaters).

3)      Empfang der Sakramente der Beichte (im Zeitraum von 15 Tagen vorher oder nachher) und der Kommunion. Diese beiden Sakramente sind für die Bekehrung und unsere Liebesverpflichtung gegenüber Gottes und unserer Brüder verantwortlich. Dies ist die Erbe Jakobus.

Die Ablässe.

Das Buch des Kanonischen Gesetzes (Can. 992) erklärt:

"Ablaß ist der Nachlaß zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet."

Um dies besser verstehen zu können, muss zuerst ein Unterschied zwischen Schuld und zeitlicher Strafe festgestellt werden.

"Ein Ablaß ist Teilablaß oder vollkommener Ablaß, je nachdem er von der zeitlichen Strafe, die für die Sünden zu verbüßen ist, teilweise oder ganz befreit" (Can. 993).

Die Gnade des Jubileums ist, nach Erfüllung dieser Bedingungen, ein vollkommener Ablass. "Jeder Gläubige kann Teilablässe oder vollkommene Ablässe für sich selbst gewinnen oder fürbittweise Verstorbenen zuwenden"  (Can. 994).


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